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Freigegeben zur Pubertät

Heute ist das jüngste Kind in die große weiterführende Schule eingewiesen eingeschult worden. Das markiert quasi den Startschuss zur Pubertät, die ersten Kostproben hatten wir bereits. Ich hab Angst vor den nächsten 6 bis 10 Jahren. Wenn sie pubertiert wie sie trotzphaste, dann gute Nacht.

Überhaupt sind meine Kinder arme, vernachlässigte Kinder. Bloßgestellt, unsere Armut zur Schau stellend. Sie besitzen nämlich kein einziges Ed Hardy T-Shirt. Nicht mal einen Collgeblock mit buntglitzer Gedings darauf. Jeder dritte Schüler ab Stufe 5 trägt diese absolute must-have Marke und die 70 Euro pro Shirt sollte mir das Seelenheil meiner Kinder eigentlich wert sein. Die Schülerin in der Aula vor mir war ein echtes Musterbeispiel: Ed Hardy T-shirt, Ed Hardy Schuhe im Chucks-Style UND eine Joop Hose (das weiß ich so genau, weil ein riesiger entsprechender Schriftzug die Hose schmückte, die ansonsten eine stinknormale Trekkingshose zu sein schien). Mein Kind: ein bunter Mix aus C&A, Tchibo und H&M. Der Preis des kompletten Outfit hätte nicht für den linken der Ed Hardy Schuhe gereicht, fürchte ich.

Zu meinem Glück ist meinen beiden Töchtern der Hersteller ihrer Klamotten weitestgehend egal, mein Sohn freut sich an Adidas und Nike T-Shirts aus dem Ausverkauf. Der ist zugegebenermaßen mittelleicht infiziert, trägt aber dennoch die C&A Jeans mit Würde. Da gibt es die nämlich in extra schmal geschnitten, das ist sein Hauptkriterium.

Ich frage mich manchmal, wie sich Familien, mit einem normalen Einkommen leisten können, ihre Kinder mit solcherlei Klamotten und den neusten Handys auszustatten. Mein Mann und ich können uns über das monatlich zur Verfügung stehende Geld sicher nicht beklagen, aber wo muss man sparen, damit man es so investieren kann? Oder muss man am Ende garnicht sparen, sondern nur den Easy-das-gönn-ich-mir-Kredit diverser Banken in Anspruch nehmen? Kauf jetzt, mach dir später Gedanken. Wenn es ganz schlimm kommt, kommt Peter Zwegat und schaukelt uns raus.

Tina 25.08.2009, 16.45 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

technisch begabt

Zum Glück habe ich einen technischen Beruf gelernt. Wissenschaftlich-analytisches Denken auf höchstem Niveau gepaart mit handwerklichem Geschick, das hilft in vielen Lebenslagen weiter.

So zum Beispiel, als mein Gefrierschrank vor 2 Tagen begann deutlich an Innentemperatur zu gewinnen und seit heute durch Piepen ständig zu verstehen gab, dass die kritische Grenze von +/- 0°C erreicht sei. Kaktuseis im Zustand der Verflüssigung ist ein wahres Ärgernis. Die globale Erwärmung hält Einzug im Hause A. aus O.

Dank meiner Ausbildung (Souveränität - sic!) begann ich also das Problem analytisch anzugehen: ich drückte wie wild alle verfügbaren Knöpfe am Gerät, schimpfte und drehte an Reglern.

Ok, ertappt. Als erstes habe ich natürlich alle verfügbaren Kinder angemault, die  offensichtlich die Gefrierschranktür nicht richtig geschlossen hatten. Als die Temperatur trotz energischem "So geht das!" Türschließen nicht sank, begann ich mit der Knopf-drück-Sache.

Ebenfalls erfolglos. Vereist war das Gerät nicht. Die Tür zuer als zu. Die Temperatur dennoch auf dem Weg gen Schmelzpunkt. Freitag später Nachmittag und die Erkenntnis, dass diese Mistkiste von Gerät erst 1 1/2 Jahre alt ist und dringend eines Servicetechnikers bedurfte. Das bedeutet: Servicehotline, Warteschlange, Hinhaltesprüche UND vorher den Kaufbeleg finden.

Kaufbeleg finden - dazu muss ich ich erklären, dass ich souverän genug bin um zu erkennen, dass die geordnete Ablage von Papieren (egal wie wichtig) NICHT eine meiner Stärken ist. Auch keine Stärke meines Mannes. Wir verstehen uns beide besser auf Knöpfchendrücken, Reglerdrehen und schimpfen. Und Kinder beschuldigen. Gern auch Kater. Oder uns gegenseitig.

Da zu befürchten stand, dass das Kaufbelegfinden einige Zeit in Anspruch nehmen könnte, beschloss ich mein Kaktuseis in die Gefriertruhe im Keller zu evakuieren. Gefrierschrank auf, Schubladen raus - Sandwicheis hinter einer der Schubladen finden. *grmpf* Ich schätze mal, dass das blöde Ding seit ziemlich genau 2 Tagen da vor sich hin modert und die Gefrierschranktür um 2mm am richtigen Schließen hindert, sagt mein analytischer Verstand.

Jetzt befinder sich das Kaktuseis in der Truhenexklave, das Sandwicheis im Müll und die Innentemperatur des Gefrierschrankes im Abwärtstrend. Yeah, ganz ohne Servicetechniker. Ich mag mir kaum vorstellen wie peinlich das gewesen wäre, hätte ich den Kaufbeleg ohne Sucherei zur Hand gehabt, den Servicetechniker im Haus und der hätte das Sandwicheis gefunden.

Von Null auf hilfloses, blondes Hausweibchen schaff ich nicht so ohne weiteres. Gibts da Kurse?

Tina 21.08.2009, 20.11 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Souveränität

Eine immer wieder unterschätze Charaktereigenschaft ist Souveränität.

Ich schätze Menschen sehr, die wissen wo ihre Kompetenzen liegen, diese nutzen und die wissen, wo die Kompetenzen anderer liegen und diese ebenfalls nutzen. Mit solchen Mensch lässt sich hervorragend zusammen arbeiten oder leben.

Wie schön für mich, dass ich beides haben darf!

(leben und arbeiten - und, so hoffe ich, auch ein gewisses Maß an Souveränität)

Entsprechend unangenehm empfinde ich jene, die krampfhaft versuchen dem Bild zu entsprechen, das sie anderen vorgaukeln. Wenn Inkompetenz mit Machtgehabe überspielt wird, dann ist das gern mal lächerlich. Laut darüber Lachen ist möglicherweise ein Problem - je nach Umfeld. Besonders dann, wenn der Inkompetente tatsächlich eine gewisse Macht erlangt hat.

Tina 21.08.2009, 18.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ist hier etwa Weibsvolk anwesend?

Feuerwehr ist eine Männersache, die nur sehr langsam von Frauen durchdrungen wird. Und je höher es in der Rangordnung nach oben geht, umso zäher zu durchdringen wird das System.

Wenn sich einer von euch überlegt, dass Feuerwehr eine feine Sache sei, dann fängt er als Anwärter an, macht seine Grundausbildung und wird Feuerwehrmann (so heißt der Dienstgrad). Es folgen weitere Lehrgänge, die einen befähigen Pumpen zu bedienen, unter Atemschutz zu arbeiten oder zu funken und schließlich kann man sich zum Truppführer ausbilden lassen und trägt fortan die Verantwortung für seinen Truppmann. Es geht dann weiter mit der Gruppenführerausbildung (und schon hat man 8 Leute unter sich), über den Zugführer (bis zu 30 Leute), Führer von Verbänden (3 bis 5 Züge - also schon über 100 Leute) und dann geht es irgendwo im Katastrophenschutz weiter, denn auch Großschadenslagen wir der Oderbruch damals wollen organisiert und geführt sein.

Ich bin seit letzter Woche auf einem Zugführerlehrgang an der hessischen Landesfeuerwehrschule und es ist eine Seltenheit, dass, wie bei uns gerade, von 23 Teilnehmern 8 weiblich sind. Tatsache ist aber, dass 6 von 8 dieser Frauen mit Kindern angereist sind und möglicherweise nur deshalb überhaupt einen Lehrgangsplatz bekommen haben. Wie im letzten Jahr, bietet die Feuerwehrschule Lehrgangplätze mit Kinderbetreuung an, zusätzlich zum normalen Kontingent. Denn nicht jeder, der sich zu höherem berufen fühlt, kann so ohne weiteres die entsprechenden Lehrgänge besuchen. Es gibt nur eine bregrenzte Menge Plätze pro Jahr, die unter den Landkreisen aufgeteilt werden. In den Landkreisen werden sie auf die Städte und dann wiederum auf die einzelnen Feuerwehren verteilt. Wenn eine Stadt pro Jahr einen Zugführerlehrgang besetzen darf, dann könnt ihr euch ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der einzelne Feuerwehrmann jemals einen solchen Lehrgang besuchen darf.

Zum Glück für mich, durfte ich im letzten Jahr einen kinderbetreuten zusätzlichen Lehrgang bereits im letzten Jahr besuchen und eben dieses Jahr wieder. Einer meiner Feuerwehrkameraden ist ebenfalls dort, denn das wirklich schöne ist, dass diese Plätze sich nicht ausschließlich für Mütter, sondern für Eltern gedacht sind. Da sind einige Väter, die sehr offensichtlich nicht gewohnt sind, der exklusive Ansprechpartner für ihre Brut zu sein. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um einen derart begehrten Lehrgangsplatz zu bekommen?

Schade ist natürlich, dass einige Lehrgangsteilnehmer die gleich unangenehme Erfahrung gemacht haben, wie ich auch: Neid, Missgunst. Es ist nicht so, dass man sich in der Wehr ganz allgemein über einen zusätzlichen Lehrgangsplatz freut, es wird mit viel Energie und Phantasie nach Gründen gesucht, warum dieser Lehrgangsplatz besser nicht besetzt würde. So ähnlich, wie wenn es einen Lolli, aber fünf Kinder gibt. So recht über Kindergartenniveau ging so manche Grundsatzdebatte dann auch leider nicht hinaus.

Nun gut. Nächste Woche umdiese Zeit haben meine Kollegen und ich den Lehrgang dann hoffentlich bestanden und sind bereit die Welt retten zu lassen.

Tina 08.08.2009, 13.32 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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